Havanna – unsere Lackschwarze Schönheit

tierschutz pferde holistic animal resort 8 | Holistic Animal Resort e.V. Ehringshausen

Wüttemberger Warmblut, Stute, Geb.: 27. Juni 2013

Unsere „Black Beauty“ geriet als Jungpferd in die Hände eines Rechtsanwalts, der am Tennisschläger besser aufgehoben gewesen wäre. Nur durch die Beharrlichkeit einer Miteinstellerin entkam Havanna in letzter Minute dem Bolzenschussapparat.

Wer sich mit offenem Auge in der Welt der Pferde bewegt, weiß, dass man ein Jungpferd, das art- und jungpferdegerecht in Herdenhaltung auf der Koppel aufgezogen wurde, nicht von heute auf morgen hinter Gitter sperrt. Der wundert sich dann auch nicht, dass besonders charakterstarke Pferde – und unsere Havanna ist das durchaus! – diese Boxengitter nicht einfach so akzeptieren.

Sie erleben die Enge als etwas unglaublich Beängstigendes, das ihre Klaustrophobie in höchstem Maße triggert.

Pferde sind Flucht-/ Lauf-/ und Herdentiere. Sie ohne Gewöhnung und einem Mindestmaß an pferdegerechtem Auslauf in eine dunkle Box zu sperren, ist unwürdig und aus unserer Sicht schlicht falsch. Darüber sind wir uns sicher einig!

Genauso erging es aber Havanna. Eine dreijährige, extrovertierte Jungstute aus der Weideaufzucht, ausgesucht aufgrund ihres außergewöhnlich schönem Äußeren, kam in die frisch angemietete Einzelbox. Wie es kommen musste, versuchte sie bereits in der ersten Nacht nach ihrer „Anlieferung“ dies zu „korrigieren“.

Havanna erging es dabei besser, als dem Boxengitter, das einige „Umformungen“ ertragen musste.

Der frisch gebackene Pferdebesitzer erkannte, dass dem Pferd geholfen werden muss und engagierte eine junge Dame. Sie sollte dem ungzähmten Jungpferd mithilfe von Horsemanship helfen. Schnell erkannte die junge Frau aber, dass Havanna aufgrund der Haltungsproblematik schwieriges Verhalten zeigt und empfahl, dies zu verbessern. Der Rechtsanwalt entschied sich für eine weit verbreitete Methode und wählte den Freilauf in der Halle als Mittel zum Zweck. Prima für Havanna! „ENDLICH PLATZ UND EINER, DER MIT MIR SPIELT!“

Nun ja. Wenn 3-jährige, sehr extrovertierte, 500 kg-Kaliber spielen, tun sie das nicht mit Wattebällchen oder Pingpong-Schlägern.

Das war dem unfreiwilligen Spielgefährten danach auch klar. Spielen heißt dann in der Regel, dass sich 500 kg Pferd recht unkontrolliert, mal auf 2, 3 oder 4 Beinen in kanonenkugelartigen Beschleunigungsverfahren, in Bewegung setzen.

Wenn einen auf einmal 1,65 m Pferd anfangen „anzuspielen“, bekommt man es natürlich auch mit der Angst zu tun und verlässt fluchtartig die Örtlichkeit. Und womöglich fühlt sich das spielende Steppentier, das naturgemäß auch ein Folger und Herdentier ist, dazu animiert, die Halle durch einen beherzten Sprung über die Bande und durch das halbgeöffnete Tor zu verlassen. Den Rest kann man sich wohl denken. Dass das bei keinem der willkürlich oder unwillkürlich Beteiligten ohne Krankenhausaufenthalt oder Versicherungsfall ausgeht ist klar, oder?

Wieder erkannte der Pferdebesitzer, dass Handlungsbedarf bestand. Dieses Mal aber in der endgültigen Variante.

Denn wie sollte dieses Pferd noch in die Reiterwelt integriert werden? Er sah es als erwiesen an, dass Havanna unhändelbar ist und bleibt. Schließlich habe er alles versucht! So wurde also der Termin mit dem „Fachpersonal zur Equidenerlösung“ vereinbart. Wie es aber der Zufall wollte, wurde das von einer Miteinstellerin beobachtet. Diese Miteinstellerin war zufälligerweise eine Heilpraktikerschülerin unserer Vereinsvorsitzenden Bine Kreil. Und alles kam, wie es kommen musste: Ein paar Telefonate und Textnachrichten später erklärte der Rechtsanwalt: „Sobald sie den Hof betreten, ist das Pferd an Sie übereignet!“ Den Knebelvertrag im Nacken, willigte der Verein ein. Havanna wird leben!

Am Tag X stand unsere Bine also „bewaffnet“ mit Knotenhalfter, Rope und Carrot Stick an Havannas Box. Eine Stunde bevor der Gang in den Pferdehimmel anstand. Und in der Box eine Havanna, die völlig stereotyp, von Sinnen umherstürmte und nichts um sich herum mehr wahrnahm.

In einem günstigen Moment gelang es Bine, das Knotenhalfter anzuziehen und sich im kurzen „Notprogramm“ mit der Jungstute zu verbinden.

Es folgte der Showdown.

Boxentür auf und schon stand die entgeisterte Havanna schnaubend in der Stallgasse. Nur wenige Meter entfernt vom rettenden Anhänger. Mit gutem Geschick und Gefühl ließ sie sich in letzter Minute verladen und entkam dem beinahe sicheren Schicksal.

Heute, 3 Jahre später, ist Havanna eins unserer wichtigsten Herdenmitglieder. Sie begrüßt alle neuen Pferde und nimmt sie toll in der Gemeinschaft auf.

Charakterlich ist sie geprägt von ihren Vorerfahrungen.

Auf zu viel Druck reagiert sie mit gefährlicher Panik, die sie oft gegen den Menschen richtet. Leider kann „zu viel Druck“ sogar schon durch eine einfache Handbewegung ausgelöst werden und so lassen wir unsere imposante und klavierlackschwarze Schönheit einfach Pferd sein. Wir hoffen, dass wir der vorwitzigen und andererseits so verstörten Stute irgendwann mehr bieten können, als „nur“ Herdenmitglied zu sein, aber im Moment braucht sie einfach noch Zeit.

Der reitende Advokat hat natürlich nichts mehr von sich hören lassen. Wir bedauern sehr, dass er, trotz vollmundiger Versprechen, doch nichts mehr dazu beigetragen wollte, um Havannas Platz in der Herde dauerhaft zu unterstützen.

Ein Dankeschön an unsere Spender

Wir danken Isa und Lara Braxmaier von Herzen, dass sie an Havanna nicht vorbeigesehen und sie damit gerettet haben. Sie unterstützen sie auch jeden Monat mit einer unglaublich großzügigen Futterpatenschaft. Unsere schwarze Schönheit muss also nie wieder fürchten, von ihrer Herde getrennt zu werden.

Aufgrund Havannas Vorgeschichte können wir für sie keine Pflegepatenschaft anbieten.