Fabian und Sabrina Becker

Die unglaublich rührende Geschichte eines ehemaligen Vereinsschützlinges

“Anfang Januar 2018 bekam ich von einer Bekannten eine Nachricht vom Holistic Animal Resort, dass diese eine Pflege- oder Endstelle für einen 8-jähriges belgisches Kaltblut suchen. Ich schrieb die Vereinsvorsitzende Bine an, welche mir auch gleich antwortete und Fotos von „Fabi“ schickte. Ich verliebte mich sofort in dieses großartige Pferd. Doch zunächst musste ich mit meinem Mann sprechen, da ich ja bereits 3 Pferde hatte. An sich sprach nichts dagegen. Doch gerne wollten wir uns Fabi vorher mal anschauen.

Leider war die damalige Pflegestelle 4 Stunden von uns entfernt und so gestaltete es sich zeitlich etwas schwierig. Zudem musste Fabi dringend in eine neue Pflegestelle, da er sonst am 31.01.2018 zum Metzger gehen bzw. eingeschläfert werden sollte. Leider kam heraus, dass Fabian dato kein neues Zuhause hatte.

Seit seiner Geburt war Fabian 12x umgezogen. Zudem hat Bine mir erzählt, dass Fabi in Belgien auch bereits einmal vom Schlachter gerettet wurde. Danach war er im Beritt und ich machte mich schlau, wie er sich dort anstellte. Die Bereiterin sagte, dass er sehr lieb gewesen sei und dort auch gelernt hat die Hufe zu geben. Ich erfuhr noch viele Dinge über Fabi, welche mich sehr traurig machten. Fabi tat mir einfach nur leid, was er mit seinen 8 Jahren schon alles erleben musste.

Da unser damaliger Stall einfach zu klein für 4 Pferde war, mussten wir uns was einfallen lassen. Direkt nebenan war ein Grundstück mit einer gemauerten Scheune. Wir fragten den Besitzer, ob er dieses nicht verkaufen möchte. Wir mussten etwas Überredungskunst anwenden, bis er endlich zustimmte. Als ich wusste, dass wir das Grundstück nebenan mit dem Stall bekommen rief ich sofort Bine an und erzählte ihr die tolle Neuigkeit, denn der Schuh drückte ja. Ich glaube Bine hat geweint vor Freude. So planten wir alles, damit Fabi so schnell wie möglich zu uns kommen konnte. Auch wenn ich etwas Angst hatte, wie er sich verhalten würde, da mir natürlich berichtet wurde, dass Fabi sehr aggressiv wäre und beißen und treten würde. Aber ich dachte mir: „Hey, das bekommen wir schon irgendwie hin!“!

Am 29.01.2018 war es dann endlich soweit. Fabi wurde zu uns gebracht. Wir waren alle sehr aufgeregt. Was würde Fabi sagen? Was würden meine Pferde sagen? Fragen über Fragen! Und dann endlich kam der Pferdetransport und Fabi wurde ausgeladen. Wir waren alle sehr gespannt. Fabi schaute sich alles erstmal in Ruhe an und ich war richtig glücklich, dass wir ihn rechtzeitig zu uns holen konnten. Nach der langen Fahrt stellten wir Fabi erstmal auf die Koppel um zu Ruhe zu kommen. Nun stand er da und ganz ehrlich!? Mit dieser Größe hatte ich nicht gerechnet! Meine anderen Pferde freuten sich schon und das erste Beschnuppern konnte los gehen! Es verlief alles reibungslos. Kurze Zeit später ließen wir alle Pferde zusammen – sie sollten „es unter sich ausmachen“. Aber es gab keine Probleme und da war plötzlich klar: Fabi bleibt bei uns!

Wir vereinbarten mit Bine einen Pflegevertrag für 1 Jahr, um zu schauen wie alles klappt und ob wir Fabi dann zurück geben wollen oder ob er hier bleibt. Wobei uns bereits da bewusst war, dass der große Kerl nirgendwo mehr hingeht. Und darüber waren wir so glücklich!

Die nächsten Tage ließen wir ihn in Ruhe und beobachteten, wie er sich verhältda man uns ja zur Vorsicht geraten hatte. Aber in der Herde gab es keine Probleme. Auch von uns ließ er sich streicheln und machte einen sehr zufriedenen Eindruck.

Also fingen wir langsam an uns mit ihm zu beschäftigen. Wir machten Flatterband Übungen und er Luftballons kennenlernen. Alles kein Problem für den Großen. Er fand es sogar richtig toll, dass er in die Schule gehen darf und was zeigte was für ein aufgewecktes und interessiertes Kerlchen er ist.

Zu dem Zeitpunkt war mein Junior knapp 1 Jahr und Fabi verhielt sich ihm gegenüber sofort wie ein Engel.

Wir fanden heraus, wenn Fabi liegt oder am Heu zum Fressen steht, er lieber seine Ruhe haben möchte. Immer,  wenn jemand zu ihm kam, legte er am Anfang erstmal die Ohren an. Es dauerte eine ganze Zeit bis er merkte, dass ihm bei uns nichts Schlimmes passiert und er auch Pferd sein darf ohne ständig gearbeitet oder gemaßregelt zu werden.

Dann kam so langsam der 1. Winter und die Herde hatte sich gut zusammengefunden. Die Pferde durften endlich in den neuen Stall nebenan einziehen, wo sie jede Menge Platz haben. Alle Pferde fühlten sich dort von Anfang an sehr wohl. Beim Hufschmied zeigte sich Fabi zwar sehr willig, aber ihm fehlte das Gleichgewicht, um die Hufe richtig hochzuhalten. Für uns einfach ein kleiner Punkt, an dem gearbeitet werden musste. Der Hufschmied und wir gaben nicht auf. Also installierten wir einen elektrischen Hebekran, um es für Fabi und den Hufschmied einfacher zu machen. Dies funktionierte sehr gut und Fabi fand es klasse, da er sich bei Bedarf auch mal in die Seilwinde reinlehnen konnte.

Dann kamen die ersten Spaziergänge und sogar unser 1-jähriger „Horseman“ konnte mit ihm spazieren gehen. Fabi stellte sich als Riesen großer Teddybär heraus, der bei uns niemals Anstalten machte, sich aggressiv zu verhalten. Ich war sehr erstaunt darüber und auch Bine war überglücklich, dass mit Fabi alles so super lief.

Genau 1 Jahr später, als der Pflegevertrag auslief, kam Bine uns wieder besuchen. Sie fragte mich: „Wollt ihr Fabi behalten oder sollen wir ihn wieder mitnehmen?“ Weil ich Bine ein bisschen ärgern wollte, sagte ich, die letzten Tage mit ihm hätten sich sehr schwierig gestaltet und sie solle ihn bitte wieder mitnehmen. Bine schaute mich skeptisch an, bis sie merkte, dass ich sie nur „verkohle“. Ich sagte ihr, dass schon am Tag der Ankunft von Fabi klar war, dass er defintiv bei uns bleibt. Sobald ein Tier bei uns ist, bleibt es auch bei uns, egal welche Schwierigkeiten man hat. Denn an diesen kann man arbeiten. Wir waren alle überglücklich und ich unterschrieb den Vertrag. Nun bleibt Fabi für immer bei mir und mir fiel ein Stein vom Herzen.

Nach einiger Zeit fingen wir an mit Fabi ins Roundpen zu gehe um zu schauen, was er davon hält. Bis dahin haben wir ihm extra viel Zeit gelassen, damit er sich richtig bei uns eingewöhnen und erstmal zur Ruhe kommen konnte. Im Roundpen machte Fabi sich sehr gut, lief in allen 3 Gangarten und hatte richtig Spaß daran. So fingen wir auch an uns auf Fabi zu setzen. Zunächst war er noch etwas skeptisch, ließ es aber mit sich machen. Er genoss die Ausritte im Schritt ohne Gebiss und ohne Sattel. Er wollte gar nicht schneller laufen und liebte es einfach durch den Wald zu spazieren.

Also entschieden wir uns dazu, Fabi einen neuen Westernsattel zu kaufen. Einer, der richtig passt und er sich auch wohl fühlt. Wir ließen einen Sattler kommen und wir hatten Glück. Der Sattel, den er dabeihatte, passte perfekt. Wir machten einen kleinen Proberitt und es fühlte sich super an.

Ich könnte hier noch mehr über Fabis Geschichte erzählen, aber das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen. Ich kann nur sagen, dass ich jederzeit wieder ein Pferd von Bines Verein adoptieren würde. Der Verein ist wirklich klasse, leistet sehr viel und setzt sich für die Tiere ein. Am Beispiel vom Fabi hat man gesehen, dass die Tiere nicht von Natur aus gefährlich sind, sondern sie so nur ihren Unmut zeigen, wenn sie sich unverstanden fühlen. Wir haben bis heute keinerlei Probleme mit Fabis Verhalten. Er ist einfach ein riesengroßer Teddybär, den man einfach gern haben muss. Und selbst wenn: fast kein Problem ist unlösbar. Ich kann das Holistic Animal Resort und Bine einfach nur weiterempfehlen und bin froh, dass wir immer noch in so regem Kontakt sind.

Vielen Dank an das Holistic Animal Resort für dieses tolle Pferd, was in seinem Leben schon viel durch machen musste.”

Wir danken Sabrina Becker von Herzen für Ihre unermüdliche Unterstützung als langjährige Pflegestelle für unseren Verein, für ihre Sachspenden, wie zum Beisiel ein beheizbares Wasserfass für unsere Olsenbande und natürlich dafür, dass sie ihre wunderbare Geschichte mit uns geteilt hat.